Wohntrend: Die Deutschen leben geräumiger

geschrieben am 11.10.2013 von Thomas Wörner

Verglichen mit 1998, wo die Bürger durchschnittlich 39 m² bewohnten, bedeutet dies ein Wachstum des Wohnflächenstandards um 6 m² in einem Zeitraum von 15 Jahren. Als Gründe für den höheren Platzbedarf nennt das BIB die starke Zunahme von Ein- und Zwei-Personenhaushalten und die gestiegenen Ansprüche der Bundesbürger.

Bei der Ermittlung von Wohnflächentrends sind persönliche, demographische und regionale Aspekte zu berücksichtigen. Neben dem verfügbaren Einkommen bestimmen die Zahl der Haushaltsmitglieder und das Lebensalter die Anzahl der Quadratmeter. Familien haben zwar meist größere Wohnungen als Singles oder Paare, die Pro-Kopf-Wohnfläche ist jedoch geringer. So verfügt ein Single durchschnittlich über doppelt so viel Wohnraum wie das Mitglied einer vierköpfigen Familie - zumindest bis die Kinder ausziehen: Ältere Menschen bleiben oft in der Familienwohnung, betagte Witwen haben mit etwa 70 m² die größte Wohnfläche zur Verfügung.

Ein wichtiger Einflussfaktor ist die Bevölkerungsentwicklung. Ist diese rückläufig, erhöht sich die Wohnfläche pro Einwohner. Demographen gehen davon aus, dass die Geburtenrate von 1,4 Kindern pro Frau bis 2060 konstant bleibt. Seit 1971 ist die Sterbeziffer hier zu Lande wesentlich höher als die Geburtenrate. Das derzeitige Defizit liegt bei 200.000. Doch seit 2011 gleicht die Zuwanderung nach Deutschland, hauptsächlich bedingt durch die europäische Wirtschaftskrise, das Geburtendefizit mehr als aus. Laut statistischem Bundesamt ergibt sich für 2012 ein Einwohnerplus von 369.000 Personen - der höchste Wert seit 1995. Prognosen zu treffen ist schwierig, zumal die weitere Entwicklung der Zuwanderung von politischen Entscheidungen abhängt.

„Keinesfalls zu vernachlässigen sind die zunehmenden regionalen Unterschiede“, erklärt Kurt Friedl, Regionaldirektor des Immobiliennetzwerkes RE/MAX Deutschland Südwest. „Innerhalb Deutschlands variieren die Wohnflächen erheblich. Je dichter ein Gebiet besiedelt ist, desto geringer sind die Wohnflächen je Einwohner“, so Friedl. Im Vergleich deutscher Großstädte hat Bremen mit durchschnittlich 33,4 Quadratmeter pro Kopf die geringste, Saarbrücken mit 45 Quadratmetern die höchste Pro-Kopf-Wohnfläche. Im bundesweiten Vergleich schneidet das Saarland, nicht zuletzt durch die hohe Eigentumsquote von 63,7 Prozent, traditionell am besten ab.

Während die Wohnflächennachfrage der Mieterhaushalte rückläufig ist, prognostiziert das Bundesinstitut für Bau- Stadt und Raumforschung bis 2025 einen verstärkten Trend zum Wohnei-gentum durch den Anstieg der Eigentümerquote in den alten Ländern auf 47 Prozent  (plus 4 %) und in den neuen Ländern auf 36 Prozent (plus 6 %). Am kräftigsten sei der Anstieg mit durchschnittlich  rund 1,7 % pro Jahr im Bereich von Eigentumswohnungen in Mehrfamilienhäusern. Überdurchschnittlich hohe Wohnflächenzuwächse wird es vor allem in München, Berlin, Hamburg, Bonn und Stuttgart sowie in  Teilen Brandenburgs, Nordniedersachsens, Bayerns und  Baden-Württembergs geben.

Ab 2016, so die Prognose, wird der Nachwuchs der geburtenstarken 1960er Jahren die Wohnungs-nachfrage - besonders im Eigenheimsektor - stabilisieren.


Quellen:

 

Statistisches Bundesamt Deutschland

Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BIB)

Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)

www.statistik-bw.de 

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